Sabine strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie über die Felder geht und aufmerksam die kleinen grünen Pflänzchen in der Erde begutachtet. „Das ist das Schönste: Wenn man etwas ansät und dann beginnt da etwas zu wachsen. Egal wie trocken der Boden ist – die Pflanzen finden ihren Weg“, erzählt sie begeistert. Seit 1988 gedeihen auf den Feldern der Familie Schmidt vielfältige Bio-Kulturen: alte Getreidesorten wie Emmer, Einkorn, Urweizen, Roggen und Hafer, dazu Gewürze wie Fenchel, Kümmel, Anis, Koriander oder Bockshornklee sowie Ölfrüchte und Hülsenfrüchte. Vieles davon wird direkt am Hof weiterverarbeitet und im eigenen Hofladen sowie in regionalen Bauernläden vermarktet. Die Druschgewürze finden ihren Weg nach Sprögnitz zu SONNENTOR.
zurück zu den wurzeln
Was die Eltern Andreas und Maria in über drei Jahrzehnten mit viel Einsatz und Liebe aufgebaut haben, wurde Schritt für Schritt in Sabines Hände gelegt. Dass unter den fünf Geschwistern ausgerechnet sie einmal mit dem Mähdrescher über die Felder fahren würde, hätte niemand erwartet: „Ich war immer die Prinzessin und Weltenbummlerin. Daheim habe ich zwar gerne mitgeholfen, aber Landwirtschaft hat mich nie interessiert“, erzählt sie lachend. Nach der Schulzeit zog es sie nach Wien, wo sie als Flugbegleiterin arbeitete und ihre Leidenschaft für das Reisen auslebte.
Nachdem 2016 im Hause Schmidt der Familienrat über die Nachfolge tagte, übernahm Sabine zunächst den Hofladen, die Bestellungen und die Rechnungen. „Am Anfang haben mich viele belächelt, weil ich gerne schön gekleidet und geschminkt war. Das passt für viele nicht mit Bäuerin-Sein zusammen“, sagt sie. Doch schon bald setzte Papa Andreas sie auf das erste Gerät. Die Maschinen wurden immer größer – bis hin zum Mähdrescher. „Vor dem Drescher habe ich mich lange gedrückt. Seit ich mit dem fahre, fühle ich mich wie eine richtige Bäuerin.“
Bio-Bäuerin sein: Große Ehre
Heute kann sich Sabine kein anderes Leben mehr vorstellen. „Mir taugt’s voll, Bio-Bäuerin zu sein und es ist für mich eine große Ehre, dass ich den Hof weiterführen darf“, sagt Sabine. Das Wissen über die Landwirtschaft hat sie – wie die Philosophie und die Herzlichkeit – von ihren Eltern. „Ich konnte in den letzten zehn Jahren viel von ihnen lernen, dafür bin ich sehr dankbar. Der Papa nimmt mich ernst und überlässt mir die Entscheidungen – auch wenn er vorher schon weiß, dass es vielleicht ein Blödsinn ist“, erzählt sie schmunzelnd. Dass die Zusammenarbeit mit den Oldies nach wie vor gut funktioniert, ist auf dem Hof spürbar: Wertschätzung im Miteinander, und auch für die Natur steht im Familienbetrieb an oberster Stelle. Das Wichtigste, das sie von ihren Eltern gelernt hat: „Dankbar sein, für alles, was wir haben.“
Zwischen Leidenschaft und harter Arbeit
Im Hofalltag begegnet Sabine immer wieder Arbeiten, die viel Kraft verlangen. „Die größte Herausforderung für mich ist, dass ich körperlich manchmal an meine Grenzen komme. Ich kann vieles allein schaffen, aber eben nicht alles.“ Viele Tätigkeiten in der Landwirtschaft sind nach wie vor körperlich fordernd und oft fehlt eine zweite Person, mit der man sich die Aufgaben und Verantwortung teilen kann. Umso wertvoller ist das Miteinander am Biohof Schmidt: Familie, Mitarbeiter:innen und Praktikant:innen packen gemeinsam an.
Ob sie bereits mal ans Aufhören gedacht hat? Sabine lacht: „Wenn ich bei 40 Grad stundenlang am Feld arbeite, frage ich mich manchmal schon, warum ich mir das antue. Aber wenn uns Kund:innen sagen, wie schön es ist, dass es uns gibt, dann weiß ich sofort wieder, warum ich das mache.“
Zukunft, die wachsen darf
Sabine geht ihren Weg mit viel Herz, Offenheit und der Bereitschaft, jeden Tag Neues zu lernen. Bäuerin sein bedeutet für sie weit mehr als harte Arbeit: Es ist eine Aufgabe mit Verantwortung – für die Natur, für gesunde Lebensmittel und für kommende Generationen. „Uns ist besonders wichtig, sorgsam mit den Böden umzugehen, damit sie auch in Zukunft fruchtbar bleiben und weiterhin qualitativ hochwertige, gesunde Lebensmittel hervorbringen können“, sagt sie.
Und was wünscht sie sich für die Zukunft? Sabine muss nicht lange überlegen: „Dass alles so harmonisch und liebevoll weitergeht, wie es jetzt ist. Und dass die Leidenschaft am Hof niemals verloren geht.“ Genau diese Leidenschaft spürt man am Biohof Schmidt in jedem einzelnen Korn, das hier wachsen darf.
SONNENTOR bezieht vom Biohof Schmidt vor allem duftende Druschgewürze wie Kümmel, Anis und Koriander. Doch was die Familie Schmidt mit SONNENTOR verbindet, geht weit über ein Geschäft hinaus. „Der Hannes* gehört schon fast zur Familie. Der kennt mich schon seit meiner Geburt“, schmunzelt Sabine.
*Johannes Gutmann